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Foto: Denkfabrik R21

Wir müssen das eigene Haus in Ordnung bringen

Die Bundesrepublik Deutschland wird 75. Im Interview der „Rhein Main Wochenblätter“ spricht R21-Chef Andreas Rödder über Krisen, Funktionsmängel und Vertrauensverlust staatlicher Institutionen – aber auch über die Stärken der Demokratie. Die Selbstbehauptung der westlichen Gesellschaftsordnung bezeichnet er als zentrale Herausforderung unserer Zeit.

Mit der Unterzeichnung des Grundgesetzes wurde am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet. „Ich finde das Alter bewundernswert“, erklärt Andreas Rödder im Interview. Die Lebensdauer der Bundesrepublik habe mittlerweile alle Staatsformen seit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation überschritten – aus historischer Perspektive sei das „keineswegs selbstverständlich“.

Heute erlebe das Land eine „Erosion des Vertrauens in die Leistungsfähigkeit des politischen Systems“, so Rödder. Das liege an der zunehmenden Komplexität politischer Probleme, aber auch an einer „Polarisierung der Öffentlichkeit“, die durch permanente Moralisierung und moralisierende Ausgrenzung entstehe. Krisen habe die Bundesrepublik schon immer überstehen müssen, doch die heftigsten habe sie in den letzten zehn Jahren erlebt, so der Gründer der Denkfabrik R21: „Das System offenbart ernsthafte Funktionsmängel. Das Problem ungeregelter Migration ist von einer Lösung immer noch weit entfernt. Und die Pandemie hat viel Systemvertrauen gekostet.“

Dennoch blickt Rödder optimistisch in die Zukunft: Die historische Stärke der Demokratie liege gerade darin, dass sie zwar nie perfekt war, aber fähig zu Selbstkritik und Selbstkorrektur. Daher gelte es, immer wieder nüchtern zu prüfen und nachzujustieren.

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland und andere autoritäre Staaten brauche es Stärke nach außen und Stärke von innen. „Die Achillesferse des Westens sind innere Krisen“, erklärt Rödder. „Wir müssen das eigene Haus in Ordnung bringen.“ Das sei die entscheidende Voraussetzung für die zentrale Herausforderung unserer Zeit: Die aktive Selbstbehauptung der westlichen Gesellschaftsordnung.

Das ganze Interview finden Sie hier.

Andreas Rödder

Andreas Rödder ist Leiter der Denkfabrik R21 und Professor für Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Gegenwärtig wirkt er als Helmut Schmidt Distinguished Visiting Professor an der Johns Hopkins University in Washington. Er war Fellow am Historischen Kolleg in München sowie Gastprofessor an der Brandeis University bei Boston, Mass., und an der London School of Economics. Rödder hat sechs Monographien publiziert, darunter „21.0. Eine kurze Geschichte der Gegenwart“ (2015) und „Wer hat Angst vor Deutschland? Geschichte eines europäischen Problems“ (2018), sowie die politische Streitschrift „Konservativ 21.0. Eine Agenda für Deutschland“ (2019). Andreas Rödder nimmt als Talkshowgast, Interviewpartner und Autor regelmäßig in nationalen und internationalen Medien zu gesellschaftlichen und politischen Fragen Stellung; er ist Mitglied im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident der Stresemann-Gesellschaft.

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