Foto: Mohammad Rahmani auf Unsplash

Afghanistan drohen bürgerkriegsähnliche Zustände

Afghanistan droht eine ungewisse Zukunft, in der sich zwei islamistische Gruppierungen, die Taliban und ein Ableger des IS, bekämpfen. R21-Gründungsmitglied Susanne Schröter erläutert im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin Ziele und Struktur der beiden Organisationen.

Die Taliban sind eine regional operierende Bewegung, die, so Schröter,  ihre Ursprünge in der fundamentalistischen antikolonialen Deobandi-Bewegung im Indien des 19. Jahrhunderts habe. Im Zuge der unterschiedlichen Besatzungen, vor allem daber durch die sowjetische Besatzung in den Jahren 1978 bis 1989 habe sie sich politisiert. Sie sei zur Befreiungsbewegung geworden, die auch als Kraft gegen die westlichen Truppen von einem Teil der Bevölkerung begrüßt wurde. Das Ziel der Taliban sei ein islamisches Emirat in Afghanistan, dessen rechtliche Grundlage die Scharia sein soll.

Der Islamische Staat ist, so die Islamwissenschaftlerin, eine transnationale, sehr viel gewalttätigere Bewegung, die eine islamische Weltherrschaft anstrebe und durch ihre Schreckensherrschaft in Syrien und im Irak bekannt wurde.

Teilung oder Machtkampf?

Aus jetziger Sicht sei denkbar, dass sich beide Organisationen in verschiedenen Teilen Afghanistans etablieren oder aber auch der IS vertrieben werde. Angesichts der großen ethnischen Verschiedenheit der afghanischen Bevölkerung und angesichts auch innerer Widersprüche und Rivalitäten innerhalb der beiden islamistischen Gruppen sei zunächst einmal viel Chaos zu befürchten.

Das Interview in der ZDF-Mediathek >

Zur Zukunft Afghanistans nach dem Abzug hat Susanne Schröter auch in der Zeitschrift Das Parlament einen Beitrag > veröffentlicht.

 

Author

  • Susanne Schröter ist Professorin am Institut für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Vorstandsmitglied des „Deutschen Orient-Instituts“ und Senatsmitglied der „Deutschen Nationalstiftung“. Sie ist im wissenschaftlichen Beirat der „Bundeszentrale für politische Bildung“ sowie im Österreichischen Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischem Extremismus (Dokumentationsstelle Politischer Islam).
    Des Weiteren ist sie Mitglied der „Hessischen Integrationskonferenz“, des „Dialog Forum Islam Hessen“, des „Hessischen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus“ und der „Polytechnischen Gesellschaft“. Im November 2014 gründete sie das „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ (FFGI) und ist seitdem Direktorin der Einrichtung.

    Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Islamismus und Dschihadismus; progressiver und liberaler Islam; Frauenbewegungen in der islamischen Welt; Konstruktionen von Gender und Sexualität; Säkularismus und Religion; Flüchtlinge und Integration; politische, religiöse und ethnische Konflikte.

    Alle Beiträge ansehen
703 Fördermitglieder aktuell
Unser Ziel 1.000
70%
Noch 297 bis zum Ziel!
Jetzt Fördermitglied werden

Neueste Beiträge

Am meisten gelesen

Tags

Denkfabrik R21 Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden

News

Ähnliche Artikel

„Es ist eigentlich fast egal wo wir anfangen, Hauptsache wir fangen irgendwo an“, sagt Justus Haucap in der neuen Folge...

Ein Vortrag von Mileis Deregulierungsminister Federico Sturzenegger Das politische Projekt Milei ist ohnehin spannend, aber am spannendsten – gerade für...

Wir stehen kurz vor faschistischen Verhältnissen – das ist der Eindruck, den Peter Frey zur Debatte um Daniel Günther in...

In den 2020er Jahren erleben die westlichen Gesellschaften einen politischen Pendelschlag nach rechts. Die entscheidende Frage ist, ob dieser Pendelschlag...

Deutschland braucht dringend grundlegende Reformen: einen Ruck, einen Agenda-2010-Moment, einen echten Kurswechsel. Oder, wie Jochen Andritzky in seinem Buch fordert:...

Der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft wurde 1946 durch Alfred Müller Armack geprägt. Wir wollen das Jubiläum nutzen, um über die...

Der Beitrag erschien erstmals am 5. Januar 2026 in der NZZ. Sie finden diesen hier. Rede niemand über das Alter...

New York, «Lady» aus Hochhäusern, im Dezember kalt und blätterlos, aber voller Winterlichter. Aus U-Bahnschächten kommt Dampf; im Hudson schwimmen...

„Bürgerliche sind über Jahre hinweg vor linken Aktivisten eingeknickt“, sagt Andreas Rödder in der neuen Folge des Podcasts „Frei heraus“....