Foto: Denkfabrik R21

Wir haben es nicht geschafft!

Die Schließung der Grenzen ist kein Akt der Kälte, sondern der Notwendigkeit – das schreibt R21-Mitglied Ahmad Mansour in der Tageszeitung „Die Welt“. Mit ihrem moralischen Leitsatz „Wir schaffen das“ habe Angela Merkel vor zehn Jahren einen strategischen Fehler gemacht.

In seinem Beitrag in der „Welt“ kritisiert Ahmad Mansour die Altkanzlerin: Ihre Aussage sei zum moralischen Leitsatz einer Zeit geworden, in der politische Führung durch Appelle ersetzt worden sind. „Hoffnung trat an die Stelle von Strategie“, so der aus Israel stammende Psychologe. Merkel habe nicht nur offen gelassen, was genau geschafft werden sollte, sondern auch wie. Mansours Fazit: „Wir haben es nicht geschafft – weil wir nie wirklich wussten, was genau wir da eigentlich schaffen wollten.“

Schulen, Verwaltungen und Kommunen seien angesichts der Massenmigration überfordert gewesen. Aber Zweifel an Merkels Politik hätten schnell als unsolidarisch oder gar rassistisch gegolten. Das Vermeiden offener Diskussionen habe populistischen Kräften Raum verschafft, schreibt das R21-Gründungsmitglied.

Integration, erklärt Mansour, sei kein Automatismus. Sie verlange mehr als Sprachkurse und Zugang zum Arbeitsmarkt: „Sie setzt ein inneres Bekenntnis zu Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, sexueller Selbstbestimmung, zur historischen Verantwortung und demokratischer Rechtsordnung voraus. Sie braucht nicht nur Mittel – sondern auch klare Erwartungen, Orientierung, Grenzen und eine Vorstellung davon, was gesellschaftliche Teilhabe überhaupt bedeutet.“

Mansour benennt die Probleme, die einer gelungenen Integration im Weg stehen: „Viele Geflüchtete stammen aus autoritären, patriarchalisch geprägten Gesellschaften, in denen Antisemitismus, Homophobie und Frauenverachtung tief verankert sind.“ Die offene Gesellschaft werde von vielen dieser Menschen nicht als Chance, sondern als Bedrohung erlebt. Die Folge sei Isolation – und nicht selten Radikalisierung.

Umso wichtiger sei es, dass die Bundesregierung jetzt einen Kurswechsel vollzieht, schreibt der Integrationsexperte der Denkfabrik R21: „Die Schließung der Grenzen ist kein Akt der Kälte, sondern der Notwendigkeit. Nur durch Begrenzung entsteht Raum für echte Integration – für jene, die bereits hier sind.“ Eine Politik, die Zuwanderung begrenzt, schaffe überhaupt erst die Voraussetzung für Gerechtigkeit und Verantwortung im Inneren.

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  • Ahmad Mansour

    Ahmad Mansour ist gebürtig arabischer Israeli und lebt seit 2004 in Berlin. Er ist Diplom-Psychologe und derzeit bundesweit als Experte für Extremismusbekämpfung nachgefragt. 2017 gründete Mansour „Mind Prevention", die Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, und hat dort die Geschäftsführung inne.
    Ahmad Mansour erstellt zudem Gutachten für Gerichte und ist ein gefragter Redner bei Verbänden, Unternehmen und Akteuren der Zivilgesellschaft. Auch als Autor zahlreicher Bücher und Gastbeiträge ist er bekannt. Für seine Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz, dem Carl-von-Ossietzky-Preis, dem Theodor-Lessing-Preis sowie dem Menschenrechtspreis 2019 der Gerhart und Renate Baum-Stiftung.

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Ahmad Mansour

Ahmad Mansour ist gebürtig arabischer Israeli und lebt seit 2004 in Berlin. Er ist Diplom-Psychologe und derzeit bundesweit als Experte für Extremismusbekämpfung nachgefragt. 2017 gründete Mansour „Mind Prevention", die Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, und hat dort die Geschäftsführung inne.
Ahmad Mansour erstellt zudem Gutachten für Gerichte und ist ein gefragter Redner bei Verbänden, Unternehmen und Akteuren der Zivilgesellschaft. Auch als Autor zahlreicher Bücher und Gastbeiträge ist er bekannt. Für seine Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz, dem Carl-von-Ossietzky-Preis, dem Theodor-Lessing-Preis sowie dem Menschenrechtspreis 2019 der Gerhart und Renate Baum-Stiftung.

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