New York, «Lady» aus Hochhäusern, im Dezember kalt und blätterlos, aber voller Winterlichter. Aus U-Bahnschächten kommt Dampf; im Hudson schwimmen Eisbrocken wie Blei. Polizeisirenen, ab Dämmerung tippelnde Ratten, nachts zerren sie an den vor den Häusern aufgetürmten Müllbeuteln. Obdachlose, Drogensüchtige, selbst in der Kälte. Sie schleppen sich mit oder ohne Tüten oder vollgepackte Einkaufswagen durch die Stadt, sitzen in Subways, ziehen sich die Haare aus, pellen ihre Haut, verfallen in Singsang, niemand schaut sie an, alle hören sie. Auf den Bürgersteigen liegt Unrat und Essensreste, kleben Spuckeflecken, menschliche und tierische Urinpfützen. Nur vor den Kirchen ist es sauber. Die Liebe Gottes ist rein.
Vor ein paar Tagen ist Norman Podhoretz gestorben. In seinem Buch «Making It» (1964) schrieb der New Yorker Autor von der Besessenheit der hiesigen Intellektuellen mit ihren Schreibblockaden zu prahlen, als sei dies Zeichen besonderer Kreativität. Beim Spaziergang Gedanken an Trumps attention economy. Was geht seit Dezember in den USA ab, was wird diskutiert, worüber ärgern oder streiten alle – sicherlich unter dem Tannenbaum, an Silvester und bis weit in 2026 hinein.
Die neurechten Intellektuellen:
Sie sollen jung und attraktiv sein, gierig und geschwind, erfolgreich und frauenfeindlich, besessen von Männlichkeit und auf der Suche nach einer neuen altmodischen Welt. Oft sind sie christlich-nationalistisch und heimunterrichten ihre Kinder: Im Dezember veröffentlichte die Politologin Laura K. Field das Buch «Furious Minds. The Making of the MAGA New Right» über neurechte Intellektuelle, das erste seiner Art.
Ist MAGA der Höhepunkt alles Konservativen, oder verrät die Bewegung das Konservative-an-sich? Nichts von beidem, würde Field sagen, MAGA ist die Apotheose eines modernen Nihilismus, den die Bewegung vorgibt durch neue-alte Werte zu heilen. Und wer sind die neurechten Intellektuellen? Field kennt sie. Sie arbeitet als non-resident fellow für das Governance Studies Programm des überparteilichen Thinktanks Brookings in Washington und ist Beraterin des Programms Illiberalismus-Studien an der George-Washington-Universität. Zehn Jahre hat Field, die sich selber als auf keinen Fall und nie konservativ gewesen bezeichnet, die Neurechten begleitet, den Aufstieg MAGAs verfolgt.
Field teilt die neurechten Intellektuellen in vier Gruppen auf: Die einst besonnenen, nun wie hufschabende Pferde ungeduldig handlungsdurstigen Claremonters des kalifornisch-konservativen Thinktanks Claremont Institute mit dem berühmtem Sommerleseprogramm für Studenten. Die Claremonters sind – wie Field selbst – Leo-Strauss-Schüler. Von Strauss stammt der Satz «Extremism in defense of liberty is no vice» („Extremismus zur Verteidigung der Freiheit ist kein Makel“). Field beschreibt die teils apokalyptisch-alarmistischen Vorstellungen Claremonts, den Glauben an den Niedergang des Westens und die anti-progressiven Tendenzen ihrer Vertreter, zum Beispiel John Eastman und Michael Anton, der in dem vielbeachteten Buch «The Stakes» (2023) wie der Claremont-nahe Curtis Yarvin einen amerikanisch-republikanischen Cäsar erträumt, der das Land mit starker Hand lenkt. Die Claremonters fordern die Dekonstruktion des Verwaltungsstaates und rechtfertigen den Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 als notwenigen revolutionären Moment. Sie glauben an die gestohlenen Wahlen von 2020, den linksprogressiven coup d’état schlechthin.
Dann gibt es die Postliberalen, darunter Patrick Deneen der Notre Dame University, Autor des selbst von Obama gepriesenen Buches «Why Liberalism Failed» (2018), und Adrian Vermeule aus Harvard, beides Kritiker der hyperindividualistischen Tendenzen des Liberalismus und Künder einer staatlich betriebenen öffentlichen Moral sowie heteronormativer Werte.
Drittens postulieren die Nationalkonservativen, darunter J.D. Vance oder Yosam Hatzony, Chairman des Edmund-Burke-Institutes, das jährliche National-Conservativism-Konferenzen ausrichtet, außerdem Kevin Roberts, Leiter der Heritage Foundation, Verfasser des berüchtigten «Project 2025» (der konservativen Ziele für die zweite Regierungszeit Trumps) eine amerikanische Identität, die zuerst durch ein ethnisches und religiöses Erbe definiert sein soll und dann erst durch demokratische Werte.
Wenn die ersten drei Gruppen eher akademischer Natur sind, dann ist die vierte Gruppe der Hard Right populistisch-roh, schöpft aus den ersteren drei und befeuert sie gleichzeitig. Ihre Mitglieder agieren meist online und haben provokativ klingende Pseudonyme wie «Raw Egg Nationalist». Die harte Rechte feiert eine hypermaskuline und eine sie ergänzende hyperweibliche Ästhetik, gibt sich teils offen rassistisch, anti-demokratisch, radikal America-First-mäßig und extrem kulturkämpferisch. Vertreter sind, laut Field: Steve Bannon, Nick Fuentes, Tucker Carlson.
Was verbindet diese vier Gruppen? Eine Ablehnung des Liberalismus. Und woher stammt ihr Gedankengut? Field zitiert Richard M. Weavers Buch «Ideas have consequences» (1948). Für die «New York Times» schrieb Field unlängst, sie habe keinen neurechten Intellektuellen getroffen, in dem Weavers Gedanken nicht nachgehallt wären, in der einen oder anderen Form.
Für Weaver war die moderne liberale Gesellschaft eine nominalistische der nihilistisch-egoistischen Tyrannei. Der (philosophische) Nominalismus, vertreten durch Philosophen wie Thomas Hobbes, oder John Locke, glaubt nicht an die Existenz übergeordneter Wahrheiten (wie es zum Beispiel Platon in dem berühmten Höhlengleichnis formulierte). In der modernen Gesellschaft, so Weaver, gibt es kaum mehr ein zusammenhängendes Wertenetz, die Menschen laufen Gefahr, immer ichbesessener und materialistischer zu werden.
Aus Sicht von MAGA, so Field, hat der moderne Nominalismus letztlich genau die identitätspolitisch durchhysterisierte Wokeness produziert, der die Bewegung nun mit einem destruktiven Autoritarismus begegnet, den sie eigentlich auf Seiten der Linken als Ideologie anklagt.
Im Nachhall von Weaver, so Field, entstehen MAGA-typische Vorstellungen einer «heritage Americanness» : Nachkommen von Amerikanern, deren Name im Civil War Registry auftaucht, die also als wahre, erste Patrioten im Bürgerkrieg (1861-65) gekämpft hätten, deren Verbindung zum Land daher besonders tief seien.
Ausserdem die Vorstellung einer in allererster Linie christlichen USA, wie J.D. Vance es auf dem jährlichen «America Fest» der konservativen Organisation «Turning Point USA» formulierte, dessen Gründer Charlie Kirk im Oktober erschossen worden war: «Das Einzige, was den Vereinigten Staaten von Amerika wirklich als Anker gedient hat, ist, dass wir eine christliche Nation waren und durch Gottes Gnade immer sein werden.» Allerdings zwingt das erste Amendment der amerikanischen Verfassung den Staat zur religionspolitischen Abstinenz: «Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof.»
A propos America Fest – oder: das MAGA-Schisma
Was ist Konservativismus? Nichts als ein Wort, eine Klanghülse, um die (wie auch um die Begriffe liberale Demokratie, Rechte oder Linke), erbittert gestritten wird und die alle irgendwie anders füllen? Vom Nazi bis zum spießigen Langeweiler ist alles möglich.
Um genau die Frage der Auslegung Konservativen streitet MAGA seit Dezember offen und herrisch den sogenannten fight over bigotry und diskutiert rote Linien im Umgang mit dem Rechtsaußenflügel der Bewegung. Also der Gruppe, die Laura K. Field in «Furious Minds» als Hard Right beschreibt. Damit einher geht der erforderliche Umgang mit Rassismus, Antisemitismus, der Idee des «heritage American» (die Nicht-Weisse nolens volens vom echten Amerikanischsein ausschließt) und mit Verschwörungstheorien.
Seit dem America Fest der «Turning Point» Organisation in Phoenix, Arizona kurz vor Weihnachten ist der Streit mehr als nur öffentlich. Anstatt wie sonst die Demokraten anzuklagen, attackierten die verschiedenen MAGA-Sprecher einander. Ben Shapiro, Gründer des «Daily Wire» und ehemals am Claremont Institute beschäftigt, warnte, dass MAGAs Rechtsaußenflügel die konservative Bewegung «ernsthaft gefährde», vor allem Leute wie Steve Bannon (aufgrund seiner Jeffrey-Epstein-Bekanntschaft), oder die verschwörungstheoretisch angehauchte Podcasterin Candace Owens (die behauptete Brigitte Macron sei ein Mann und Charlie Kirk sei aus den eigenen Reihen oder vom Ausland ermordet worden). Letztere, sowie den Moderator Tucker Carlson und den Holocaustleugner und einstigen Charlie-Kirk-Konkurrenten Nick Fuentes bezeichnete Shapiro als rassistisch-antisemitische Scharlatane. Umgekehrt nannte Bannon Schapiro das Krebsgeschwür MAGAs. Tucker Carlson nannte Shapiro pompös.
Vivek Ramaswamy, Unternehmer, republikanischer Kandidat bei den Vorwahlen 2024 und Kandidat für das Gouverneursamt in Ohio, klagte Vertreter der «American heritage Idee an, eine Blut-und-Boden Politik zu propagieren.
Hauptauslöser des internen MAGA-Streites war Tucker Carlsons Interview mit Nick Fuentes vom November dieses Jahres gewesen. Die Kritik: Indem Tucker dem ausgewiesenen white supremacist Fuentes mediale Aufmerksamkeit schenkte, habe er dazu beigetragen den Extremismus salonfähig zu machen. Der Leiter der «Heritage Foundation» Kevin Roberts verteidigte das Interview, Mitarbeiter des Instituts kündigten aus Protest und wechselten zu der von Trumps ehemaligem Vizepräsidenten und späterem Gegner Mike Pence geleiteten «Advancing American Freedom» Stiftung, die Trumps Strafzöllen, MAGA-Isolationismus und Autoritarismus kritisch gegenübersteht.
J.D. Vance hingegen sprach neutral und abwiegelnd.
Insgesamt geht es um die tiefere Frage: Was wird aus MAGA, wenn Trump nicht mehr Präsident ist – was nach 2028 der Fall sein wird. Wer wird der Nachfolger, mit welchen Ideen und Werten, welchen Anhängern? Auf dem America Fest stellte Charlie Kirks Witwe Erika Kirk J.D. Vance als Präsidentschaftskandidaten der nächsten Wahlen vor.
Um die Veröffentlichung der Epstein-Akten ein paar Tage zuvor scherte sich auf dem America Fest hingegen niemand. Woanders aber scherte man sich schon.
Verlorene Männer 1:
Seit Dezember hat Bill Clinton ein Problem. Amerika aber auch – mit Sexpanik, eine in der Sozialforschung beschriebene disproportionale, mediale Schärfe, die in der Gesellschaft Angst vor Sex und seinen «Monstern» schürt.
Am 19. Dezember veröffentlichte das Justizministerium gemäss dem von Trump erst nur zögerlich unterzeichnetem «Epstein Files Transparency Act» einen Teil der «Epstein-Akten»: Tausende Fotos, Briefe, Emails, die die Beweislage gegen den toten New Yorker Hedge-Fund-Manager Jeffrey Epstein festigen sollen. Auf der New Yorker Upper East Side und auf einer Privatinsel der Virgin Islands soll Epstein junge Frauen und minderjährige Teenagerinnen missbraucht, zur Prostitution gezwungen und Freunden und Bekannten zur Verfügung gestellt haben.
Die veröffentlichten Bilder sind im Hinblick auf die jungen Frauen stark redigiert, ansonsten zeigen sie Männer aus Politik, Wirtschaft und dem Showbiz im Umfeld von Epstein, die künftig wohl einiges zu erklären haben werden, allen voran Bill Clinton. Zu sehen ist Clinton in Epsteins Privatflugzeug, eng an ihn gelernt sitzt auf der Armlehne eines Sessels eine blonde junge Frau. Außerdem Clinton neben Epstein stehend, offensichtlich auf einer Party, beide tragen glänzende bestickte Hemden. Das kompromittierendste Bild: Clinton mehr oder weniger unbekleidet in einem Whirlpool, zusammen mit einer jungen Frau, ihr Gesicht ist geschwärzt.
Das Justizministerium – das im Epstein-Fall dem Druck des Repräsentantenhauses nachgab – veröffentlicht eigentlich keine Akten, wenn es sich um laufende, oder bevorstehende Ermittlungen handelt, ohne dass eine konkrete Anklage vorliegt. Aber Rufmord ist ohnehin effizienter als die Justiz.
Auf einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago, sagte Trump: «Viele Menschen sind sehr wütend, dass Bilder von Personen veröffentlicht werden, die eigentlich nichts mit Epstein zu tun hatten. Aber sie sind auf einem Bild mit ihm zu sehen, weil sie auf derselben Party waren. Der Ruf dieser Personen ist ruiniert.»
Bereits im Spätsommer musste der Ökonom, ehemalige Finanzminister und Harvard-Präsident Lawrence Summers von sämtlichen noch verbliebenen Lehrtätigkeiten und seinem Vorstandsposten bei OpenAI zurücktreten. Summers war mit Epstein befreundet gewesen und hatte sich, so zeigte ein SMS-Chat, von Epstein Tipps geholt, um eine wesentlich jüngere – aber volljährige – Frau zu verführen. Es ist unklar, ob es ihm gelang.
Verlorene Männer 2:
In dem am 15. Dezember im «Compact Magazine» erschienenen aufsehenerregenden Essay «The Lost Generation» beschreibt der in Los Angeles lebende Publizist und ehemalige TV-Autor Jacob Savage, wie weisse Männer der Generation der Millennials (die zwischen 1981 und 1996 Geborenen) aufgrund der seit 2014 zunehmenden und seit #MeToo und #BlackLivesMatter explodierenden Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsrichtlinien (DEI) systematisch benachteiligt und aus Berufen in den Medien, den (akademischen) Geisteswissenschaften und aus Hollywood verdrängt wurden.
Der Essay ist seriös recherchiert, für jedes Statement gibt es eindeutige Statistiken. Die Reaktionen sind vorhersehbar, die «Linken» sprechen von chauvinistischer Paranoia, die «Rechten» fühlen sich endlich gesehen. Savage schreibt «eine Geschichte über weiße Männer der Millennial-Generation im beruflichen Amerika, über diejenigen, die (…) (meistens) still geblieben sind. Die gleiche Identität, ein Jahrzehnt auseinander, bedeutete völlig unterschiedliche berufliche Schicksale. Wenn Sie 2014 vierzig waren – geboren 1974, mit Karrierebeginn Ende der 90er Jahre – waren Sie bereits etabliert. Wenn Sie 2014 dreißig waren, stießen Sie an Ihre Grenzen. (…). Denn die Vorgaben zur Diversifizierung galten nicht für ältere weiße Männer, die in vielen Fällen immer noch enorme Macht ausüben: Sie galten für uns.»
Alle Türen, so Savage, schlugen gleichzeitig zu. Als er 2011 nach Los Angeles gezogen sei, seien 48 Prozent der TV-Autoren weiße Männer gewesen; seit 2024 sind es nur noch 11,9 Prozent. In der Redaktion von «The Atlantic» hätten zu 53 Prozent Männer, davon 89 Prozent weiß, gearbeitet, im Jahr 2024 waren 36 Prozent männlich und 66 Prozent davon weiß. An der Harvard University sank in den Geisteswissenschaften der Anteil weißer Männer in Festanstellungen von 39 Prozent im Jahr 2014 auf 18 Prozent im Jahr 2023. Und so fort. Savage kämmt alles durch, Zeitungen, Universitäten, Medien, Hollywood; immer ist das Ergebnis gleich. Noch ein Beispiel: «Seit 2022 hat Brown 45 Professoren mit Tenure-Track-Verträgen in den Geistes- und Sozialwissenschaften eingestellt. Nur drei davon waren weiße amerikanische Männer. (…) Von den 59 Assistenzprofessoren in den Kunst, Geistes- und Sozialwissenschaften, die zwischen 2020 und 2024 an der UC Santa Cruz eingestellt wurden, waren nur zwei weiße Männer.»
Dies ist der interessanteste Punkt an Sagaves Essay: Wer schlug die Türen zu? Nicht etwa die diverse Konkurrenz, auch nicht Frauen oder der Feminismus. Sondern die alte – männliche – Generation der Boomer (zwischen 1946 und 1964 geboren) und manche der Generation X (zwischen 1965 und 1980 geboren), die die eigenen Berufe und Karrieren in trockenen Tüchern hatte und sich feige, wohlfeil und beflissen, in einem Anfall von virtue signaling den DEI-Erfordernissen unterwarf.
Zum Schluss noch etwas Pragmatisches zu America the Beautiful:
America the Beautiful, ein patriotisches Lied aus dem Jahr 1893, das traditionell am amerikanischen Nationalfeiertag, dem 4. Juli gesungen wird und die Schönheit der Natur preist.
Genau deswegen heisst die Jahreskarte für den Besuch amerikanischer Nationalparks auch „America the Beautiful Pass“, die, jahrelang unberührt und in Ruhe gelassen, nun krass transformiert wird. Ab dem 1. Januar 2026 erwartet aus dem Ausland kommende Besucher jedoch per Trump-Dekret eine nie dagewesene neue Gebührenordnung. Der Preis der Jahreskarte für sämtliche Nationalparks steigt für Nicht-US-Bürger von 80 auf 250 Dollar, für US-Bürger und Inhaber der Green Card kostet sie weiterhin 80 Dollar. Auf dem Jahrespass soll künftig nicht mehr George Washington, sondern Donald Trump abgebildet sein, verschiedene Verbände klagen.
Für elf der beliebtesten Parks, darunter die Rocky Mountains, oder Yosemite, zahlen Nicht-US-Bürger, die älter sind als sechzehn außerdem eine Zusatzpauschale von 100 Dollar – pro Parkbesuch.
Eigentlich sollten amerikanische Nationalparks mit dem von Präsident Ulysses S. Grant 1872 unterzeichneten Gesetz zur Gründung von Yellowstone freies Allgemeingut werden, unabhängig von Herkunft und Nationalität.
Amerikanische Familien kämen nun mal an erster Stelle, sagt das Weisse Haus stattdessen. Eigentlich soll der Gebührenüberschuss in die Instandhaltung der Parks investiert werden, zu befürchten ist aber, dass die Besucher dann eher garnicht mehr kommen, als sich dumm und dämlich zu zahlen.
Zweite Verschönerung, die Siegesflotte: Kurz vor Weihnachten gab Trump bekannt, dass die US-Marine zwei neue Schlachtschiffe der «Trump-Klasse» für eine künftige «goldene Flotte» bauen wird. Seit Jahren klagt Trump, dass US-Kriegsschiffe «schrecklich» aussähen. Das letzte Schlachtschiff, das weltweit je gebaut wurde, war die britische HMS Vanguard (Baujahre 1941-44). In den USA befindet sich derzeit kein aktives Schlachtschiff. Das letzte war die USS-Missouri; seit 1992 liegt sie als Museum vor Pearl Harbour in Hawaii.
Der Dezember war also wild, der Spaziergang endet. Auf der 5th Avenue längs des östlichen Central Park stehen dieselben livrierten Portiers wie je. Jeder der kommt, wird von ihnen als das erkannt, was er oder sie ist. Bewohner, Anwohner, oder Lieferant. Letztere rechts zum Lieferanteneingang, bitte. Portiers lächeln nicht, sie schauen. Entrüstung flackert in ihrem Blick, wenn aus einem Taxi oder Wagen, dessen Tür sie beflissen, aber umsonst mit einem „Welcome, Madam“ aufgerissen haben, Aussteigende ein Haus weiter gehen.
Author
-
Sarah Pines ist im Sauerland und in Bonn aufgewachsen, hat Literaturwissenschaft in Köln und an der Stanford University studiert und wurde in Düsseldorf mit einer Arbeit über Baudelaire promoviert. Sie schreibt für die Kulturressorts der ›Zeit‹, der ›Welt‹ und der ›NZZ‹. Pines lebt als freie Autorin in New York. 2020 veröffentlichte sie die Kurzgeschichtensammlung ›Damenbart‹; im August 2024 erscheint ihr erster Roman ›Der Drahtzieher‹.
Alle Beiträge ansehen





