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Wir müssen Kontrolle darüber haben, wer kommt

„Wir können nicht alle Menschen aufnehmen“, sagt Ahmad Mansour. Vor allem die Kommunen seien durch eine zu hohe Zahl an neu zugezogenen Migranten überfordert, erklärt der der R21-Migrationsexperte im WDR-Interview. Deutschland könne nicht mehr Menschen ins Land lassen, als es zu integrieren in der Lage ist.

Mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ habe Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 vielen Menschen Mut gemacht. „Merkel und auch wir als Gesellschaft haben aber nicht definiert: Was wollen wir schaffen?“, bemängelt Mansour. „Was bedeutet eigentlich gelungene Integration? Und wie wollen wir das schaffen?“ Inzwischen sehe man, dass das System – vor allem auf kommunaler Ebene – das nicht mehr schafft. Mansours Fazit: „Wir sind überfordert“.

Integration bedeute neben Unterbringung und Arbeit auch Wertevermittlung, Begleitung und Betreuung, erklärt der der deutsch-israelische Psychologe. Viele der Menschen, die vor allem aus Syrien und Afghanistan zu uns gekommen sind, seien traumatisiert, labil und ohne Familie hier. „Wir müssen daran arbeiten. Und das kann Deutschland nur sehr begrenzt tun. Ansonsten haben wir Menschen aufgenommen, die wir letztendlich im Stich lassen.“ Deutschland müsse deshalb zunächst mal definieren, wie viel Migration das Land jährlich bewältigen kann.

„Ich bin selbst Migrant“ erzählt Mansour, der vor 20 Jahren nach Deutschland kam. „Aber es kann nicht sein, dass wir überhaupt keine Kontrolle darüber haben, wer zu uns kommt.“ Derzeit würden nicht der Staat, sondern kriminelle Schleuser entscheiden, wer es nach Europa schafft. Deutschland müsse klar vermitteln: „Ja, wir helfen, aber wir entscheiden selbst, wem wir helfen und wie wir helfen wollen.“

 

Ahmad Mansour

Ahmad Mansour ist gebürtig arabischer Israeli und lebt seit 2004 in Berlin. Er ist Diplom-Psychologe und derzeit bundesweit als Experte für Extremismusbekämpfung nachgefragt. 2017 gründete Mansour „Mind Prevention", die Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, und hat dort die Geschäftsführung inne.
Ahmad Mansour erstellt zudem Gutachten für Gerichte und ist ein gefragter Redner bei Verbänden, Unternehmen und Akteuren der Zivilgesellschaft. Auch als Autor zahlreicher Bücher und Gastbeiträge ist er bekannt. Für seine Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz, dem Carl-von-Ossietzky-Preis, dem Theodor-Lessing-Preis sowie dem Menschenrechtspreis 2019 der Gerhart und Renate Baum-Stiftung.

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