Liebe Sarah, was ist das Besondere, der Flimmer, der die USA 2026 umgibt?
Amerika wird am 4. Juli 250 Jahre alt, und Dolly Parton, die amerikanischste aller Sängerinnen und größte Country-Sängerin der Welt, wurde 80 Jahre alt. Ihr Geburtstag, der 19. Januar, heißt offiziell „Dolly Parton Day“, das Jahr steht zumindest konsumtechnisch im Zeichen der Sängerin, wie 2025 in den USA aus popkultureller Sicht so etwas wie das Taylor-Swift-Jahr war. Überall ist Parton grad zu finden, auf jedem Grabbeltisch, auf zig Zeitungscovern, selbst an der Supermarktkasse hängt sie in irgendeiner Form.
In dem Lied “Color Me America” sang Parton “I am red and white and blue, these are colors that ring true, to all I am and feel and love and do”. Das Wort Patriotismus ist in den USA in aller Munde.
Es ist das Wort der Stunde. Beide Seiten des politischen Spektrums ringen um den Begriff. Wer ist patriotischer, rechts oder links, MAGA oder die Demokraten, wer liebt sein Land – das tut nämlich nur der wahre Patriot. Nur, wer ist der wahre Patriot? Der, der die USA von illegaler Immigration befreit, ergo „bereinigt“, oder die, die den Menschen Zuflucht gewähren?
Patriotisch im Hinblick auf westliche Werte trat auch US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf.
Hierzu möchte ich nur anmerken, dass die europäische Borniertheit ja wirklich grenzenlos ist. Es ist schade. In seiner Rede sprach Rubio sich gegen einen überdrehten Klimaschutzkult, für strenge Grenzkontrollen, und für ein „neues westliches Jahrhundert“ aus, pries das Bündnis mit Europa im Hinblick auf gemeinsame christliche und kulturelle Werte, forderte eine gemeinsame Wirtschaftsallianz gegen China, sprach in Arthur-Spengler-Manier vom dräuenden Niedergang des abendländischen Europa. Ähnlich wie Vance vor einem Jahr, ebenfalls auf der Münchner Sicherheitskonferenz, fragte Rubio: „Was genau verteidigen wir eigentlich?“, und füllte das europäische Vakuum mit der Antwort: die eigene, westliche Grandezza, man möchte fast sagen; wenn nötig auch mit Gewalt. Rubio sprach freundlich, aber ernst, erwähnte das gemeinsame kulturelle Erbe, die mögliche Wiederbelebung der US-europäischen Beziehungen, aber bitte auf Augenhöhe, mit einem selbstbewussten Europa. In München gab es standing ovations dafür, dass es endlich mal jemand sagt, aber medial kochte die Empörung hoch; da werbe jemand für weiße Vorherrschaft. Es ist so vermessen, die USA derartig zu verprellen.
Und in den USA reißt die Debatte um ICE – das U.S. Immigration and Customs Enforcement – nicht ab, hier bei uns auch nicht. Seit Monaten schon werden ICE-Beamten vom Department of Homeland Security in amerikanische Städte entsandt, um in groß angelegten Razzien illegale Einwanderer aufzuspüren.
Viele Amerikaner mögen diese Razzien zu Recht nicht, diese seien brutal und menschenverachtend, störten außerdem den öffentlichen Frieden. Im Januar nun hatten ICE-Beamten in Minneapolis zwei Menschen getötet, die gegen ICE protestiert hatten. Die 37-jährige US-Bürgerin und dreifache Mutter Renee Good wurde durch ihr Autofenster hindurch erschossen. Sie war dabei, wegzufahren, doch die Regierung spricht von Notwehr des ICE-Beamten. Der Krankenpfleger Alex Pretti, ebenfalls US-Bürger, wurde zehnfach erschossen, als er das rohe Vorgehen der ICE-Beamten mit seinem Handy filmte. Auch hier spricht die Regierung von Notwehr – in beiden Fällen ist diese Rechtfertigung haltlos. Nun debattiert die amerikanische Gesellschaft und das Ausland – ebenfalls zu Recht, aber in Teilen verkürzt, wie ich finde.
Warum?
Mit der neuen Regierung unter Trump und mit der Heimatschutzministerin Kristi Noem, leider eine Lügnerin und Hassschürerin, die als Gouverneurin von South Dakota gegen Indianer, insbesondere die Sioux hetzte, hat sich ICE zweifelsohne radikalisiert, oder eher: diese Leute sind in Teilen völlig enthemmt. Doch ICE war nie besonders beliebt, immer brutal, denken wir an das Vorgehen bei den #BlackLivesMatter-Protesten im Jahr 2020 – immer irgendwie furchtbar. Das Department of Homeland Security (Heimatschutzministerium), die Untereinheiten ICE und Border Patrol wurden nach dem al-Qaida Terroranschlag von 9/11 im Jahre 2002 genründet. Demokraten und Republikaner stimmten dafür, ICE-Beamten und Grenzschützer wurden von beiden Parteien als harte Helden im Kampf gegen den insbesondere islamistischen Terror gefeiert, die Gesellschaft wähnte sich beschützt. Heute wirkt es so, als sei ICE so etwas wie Trumps persönliche Armee, die es auf Demokraten in den Straßen Amerikas abgesehen haben, aber nochmal: das hatte sich alles angebahnt. Fast schon seit Jahrzehnten konnten ICE und Border Patrol eben wegen ihrer pseudo-heldenhaften Aura nahezu unbeaufsichtigt operieren und mit viel Nachsicht seitens der jeweiligen Regierung rechnen, wenn sie zum Beispiel Häuser durchsuchten und Menschen festnahmen, die dann ums Leben kamen, vor Ort oder in Gewahrsam. In den Jahren 2003 und 2023 starben etwa 231 Menschen in ICE-Gewahrsam, allein in den Jahren 2003-2005 waren es 58, 2020 waren es 21, 2025 waren es 32, 2024 nur 12.
Nun sagtest Du aber auch, ICE sei noch enthemmter denn je.
Enthemmter, primitiver, roher. Der Regierung ging es ja darum, das Hauptwahlversprechen schnell einzulösen und schnell abzuschieben, dazu brauchten sie schnell neues Personal bei ICE und Border Patrol, eine weitere Untereinheit im Heimatschutzministerium. Wie soll man das aber anstellen? Indem man die Auswahlverfahren vereinfacht, die Ausbildungszeit verkürzt, von 13 Wochen auf 6, außerdem die Altersgrenzen abschafft. So einige der neu eingestellten ICE-Beamten – die manchmal auch wieder entlassen werden – können nicht vernünftig lesen, fallen bei Fitness- und Drogentests durch,
So berichtete „The Atlantic“ in seinem sehr interessanten Artikel.
Richtig. Für mich ist ICE, damals und heute, das Gesicht Amerikas schlechthin – ein Problem, das grösser als Trump. Amerika ist um so vieles gewalttätiger als Europa, hier dürfen Menschen gemäß dem zweiten Amendment Waffen tragen, immer versteckt, manchmal offen. Die USA ist seit je Land von Gewalt und Waffen, beginnend mit den Siedlermilizen im 17. und 18. Jahrhundert, als Waffenbesitz Bürgerpflicht war, um Indianer zu bekämpfen, dann entlaufene Sklaven zu stellen, bis hin zu den Black Panthers, deren Waffenphilosophie (politische Macht kommt „aus Gewehrläufen“) ironischerweise zur Rechtfertigungsstrategie der National Rifles Association unter Wayne LaPierre wurde, der sagte „the only way to stop a bad guy with a gun is with a good guy with a gun“. Nicht nur das, es gibt den USA über 393 Millionen Waffen, mehr als Menschen. Amerikaner sterben mit 25-mal höherer Wahrscheinlichkeit an Schussverletzungen als jeder andere Bewohner im Westen. Jeden Tag sterben über einhundert Menschen an Kugeln, werden etwa zweihundert durch Schüsse verletzt. Dann gibt es den Amoklauf, „Amerikas neuestes Geschenk an die Welt“, wie Paul Auster in seinem klugen Buch „Bloodbath Nation“ (2024) schreibt, „eine psychopathische Fußnote zu früheren Wunderdingen wie Glühbirne, Telefon, Basketball, Jazz oder dem Impfstoff gegen Polio.“ Obwohl Amokläufe nur einen Bruchteil der Schusswaffenopfer verursachen, kommt es hier im Durchschnitt und über die Jahre verteilt etwa zu einem Amoklauf am Tag. Es ist daher kein Wunder, dass Begegnungen im öffentlichen Raum anders funktionieren als in Europa, generell vorsichtiger, sie arten potentiell aber auch schneller aus.
Aller Empörung ungeachtet baut das Heimatschutzministerium den Überwachungsapparat von ICE aus.
Oder umgekehrt: ICE hat derzeit – seit dem neuen Haushaltsbeschluss im Herbst 2025 hat sich das Budget der Einheit auf insgesamt 10 Milliarden Dollar verdreifacht – verdammt viel Geld zum Ausgeben, insgesamt mehr als der gesamte Jahreshaushalt der Polizei in allen 50 US-Staaten, stellt das politisch unparteiische Brennan Center fest. Aber auch hier: schon lange hat ICE in Gesichtserkennungstechnologien investiert, gefälschte Mobilfunkmasten zur Überwachung von Mobiltelefonen anfertigen lassen, in Spyware zur Überwachung sozialer Medien, hat Zugang zu Informationen der Sozialversicherungsbehörde und der Bundesteuerbehörde (Internal Revenue Service, IRS). Das Rüstungsunternehmen Palantir – das KI-betriebene Überwachungssoftware vertreibt und das sich als Anführer einer Art Verteidigungsreform begreift – ist bei ICE unter Vertrag, außerdem die Beraterfirma Deloitt und das private Gefängnisunternehmen GEO Group. Aber auch kleinere Privatunternehmen biedern sich ICE an, bieten Scharfschützen-Workshops, Kurse im Angriffstraining. explosionssichere Fensterfolien, Augenscanner, Büromöbel, Waffenunterricht, Büromöbel.
Ich habe gehört, auch die französische Sicherheits-KI-Firma Capgemini möchte mit ICE arbeiten.
Tat sie auch. Dann gab es die üblichen Proteste der Linken, ja, alles seit Februar wieder abgesagt. Auch hier gilt, was ich anfangs über Rubio sagte: Vor dem europäischen virtue signaling gibt es kein Entkommen. So sehr die Kritik an ICE berechtigt ist, folgt sie doch immer demselben verheuchelten Drehbuch: Rasend schnell werden Angelegenheiten der neuen Welt – Trump, ICE, Ansichten des US-Außenministers Marco Rubio von Europa – kritisiert und mit der vermeintlichen Seriosität und Ordnung des Alten Europa kontrastiert.
Und was gibt es sonst noch Neues?
Den populären, jungen Pastor und demokratischen Kandidaten für den US-Senat bei den diesjährigen Midterms, James Talarico aus Texas. Talarico ist beliebt, weil er bescheiden auftritt, christliche Werte vertritt, ist sich als „Linker“ nicht zu schade, bei dem rechtskonservativen Sender Fox News aufzutreten. Seine Lebensgeschichte berührt die Menschen, ähnlich wie einst die von J.D. Vance (der auch aus prekären Verhältnissen stammt): Talarico wuchs in Austin, allein mit seiner Mutter auf, die sich von ihrem Mann, Talaricos Vater, getrennt hatte, weil dieser sie missbraucht hatte. Sie hatten nicht viel Geld, manchmal schlief Talarico in einem Schrank, weil kein Platz oder kein Geld für ein Bett da war. Auf Instagram schreibt er Dinge wie “The biggest divide in our country is not left versus right, it’s top versus bottom.”
Und die Republikaner?
Fürchten Talarico nun vor den anstehenden Midterms, und MAGA, so der „linke“ Verdacht, will den Demokraten aktiv aus den Medien heraushalten – was natürlich nach hinten losgeht, jetzt grade ist Talarico in aller Munde. Erst diese Woche sagte der Late-Night-Talkmaster Stephen Colbert vor seinen Zuschauern, dass er ein Interview mit Talarico nicht ausstrahlen durfte. „Mir wurde gesagt, dass ich ihn nicht nur nicht einladen durfte, sondern auch nicht erwähnen durfte, dass ich ihn nicht einladen durfte“, sagte Colbert. „Und da mein Sender offensichtlich nicht möchte, dass wir darüber sprechen, lassen Sie uns darüber sprechen.“ Der Sender verneint dies, verweist auf eine alte Regel, dass kurz vor Wahlen – in Texas standen Vorwahlen an – entweder alle oder keiner der Kandidaten Interviews bekommt, der Fairness halber.
Und die Stephen Colbert Show wird auf CBS ausgestrahlt, was zu weiteren Irritationen und Verdächtigungen führt.
Weil CBS, einst ein für Trump-Kritik bekannter Sender, zu Paramount gehört, das letzten Herbst mit mit der von David Ellison – Sohn des zweitreichsten Mannes der Welt, Larry Ellison, Trump-Freund, Netanyahu-Freund, ehemals Mäzen von Elon Musk – geleiteten Medienunternehmen Skydance fusionierte. Kurz nach der Fusion wurde Bari Weiss, Entrepreneurin, Journalisten-Millionärin, Medien-CEO zum Entsetzen der «woken» Medienlandschaft Chefredakteurin von CBS-News. Gegenwärtig gehört Weiss, die früher für die New York Times arbeitete und diese wegen des Meinungsvielfalt unterdrückenden Arbeitsklimas verließ (insbesondere wenn es um konservative Meiningen ging), zu den 57 mächtigsten Persönlichkeiten in den Medien. Jeff Bezos lud sie zu seiner Hochzeit in Venedig ein, Linke hassen sie, Rechte verehren sie, doch Weiss bezeichnet sich als der politischen Mitte zugehörig. Kritiker beschreiben sie als anti-woke, und nur pseudomässig anti-establishment, außerdem als bedauernswert pro-Israel. Dass sie nun CBS News leitet, scheint ihnen eine Katastrophe, die Gleichschaltung aller Medien von Rechtsaußen dräue, und Kritiker sehen Weiss als neue Zuarbeiterin von Trump und den Meinungen des White House – siehe den Talarico-Vorfall. Übrigens ist Weiss sicher konservativ, aber gemässigter als Kritiker es wahrhaben wollen, ausser es geht um Israel.
Vielleicht noch ein kurzer Kommentar zu dem derzeitigen Stand des Epstein-Fall?
Wie ich schon vor Monaten in einem unserer Gespräche sagte, Jeffrey Epstein ist und bleibt vorerst Amerikas wichtigster Toter. Kürzlich hat das Justizministerium Abermillionen Seiten, das gesamte Epstein-Material, veröffentlicht und online gestellt. Alle Welt stöbert nun, denn was gäbe es Aufregenderes, als die Laster der Reichen und Mächtigen zu erkunden, die gesamte „globale Elite“ stürzen zu sehen. Was mich aber erstaunt, sind die primitiv-hysterischen Phantasiegebilde, ist der fast schon verschwörungstheoretische Aufruhr. Offensichtlich taucht in den Akten das Wort „jerky“ (in Anspielung auf den amerikanischen Trockenfleischsnack „Jerk“) in bestimmten Zusammenhängen allzu oft auf. Jetzt glauben viele, „jerky“ sei in Epsteins Umfeld ein Codewort für Menschenfleisch, Epstein sei Kannibale gewesen, hätte sich am Fleisch junger Menschen gelabt. Ich denke bei dem Wort „jerk“ eher an die Phrase „to jerk off“, salopp für „ejakulieren“, aber Spaß beiseite. Übrigens wird hier ein alter, ja, mittelalterlicher antisemitischer Topos (Epstein war jüdisch) neu bedient, der in Deutschland, genauer, in Bacharach am Rhein entstand, nachzulesen in Heinrich Heines „Der Rabbi von Bacharach“: der Jude als Kinderesser, der – so die bösartige Legende – das Blut seiner Opfer in die Matze mischt. Bei dem Weinstein-Fall vor ein paar Jahren verlief es ähnlich, Weinstein wurde – vor Gericht, seitens der Anklage – unterstellt, sein Glied sei deformiert, fast vaginal, die Frau, die ihn anklagte, habe gedacht, er sei ein Zwitter.
Body Shaming?
Das body shaming evozierte – unbemerkt? – einen weiteren alten antisemitischen Topos, dessen Anfänge in Ritualmordlegenden liegen: die männliche „Judensau“, so beschrieben es mittelalterliche Traktate der Zeit, sei nicht nur Kannibale, sondern ferner ein menstruierendes Zwitterwesen, das nach den Körpern junger Christinnen giere, an ihnen perverse Gelüste auslebe – wie Weinstein. Erinnern wir uns, dass in Frankreich das Korrelat von #MeToo #Balancetonporc lautete, entblösse dein Schwein – Frankreichs erstes #MeToo-Opfer avant la lettre war Dominique Strauss-Kahn, ebenfalls jüdisch. Es ist faszinierend, wie tief abergläubische, kulturelle Reflexe in uns verwurzelt sind, obwohl die Welt schon längst eine andere ist.
A propos Aberglaube: Unlängst gab es einen Disput zwischen Obama und Trump über UFOs, was hat es damit auf sich?
Vorab möchte ich sagen: Eine neue Studie besagt: die Amerikaner sind gegenwärtig abergläubischer denn je, insbesondere die jüngeren Erwachsenen (18-29 Jahre alt). Etwa 81 Prozent aller erwachsenen Amerikaner glauben an paranormale Sphären – daran, dass Dinge passieren, die weder durch Wissenschaft noch durch natürliche Ursachen erklärt werden können. Über 50 Prozent aller Amerikaner glaubt an Aliens. Derzeit boomt hier der Markt für Wahrsager, Telepathen, Tarotkartenleser – was nicht zuletzt an der zunehmenden Polarisierung und Fragmentierung der amerikanischen Gesellschaft liegt. Nun hat der öffentliche Austausch zwischen Trump und Obama, auf den Du anspielst, bei dem es um ausserirdisches Leben ging, grosses Medieninteresse bekommen: Obama war in dem Podcast von Brian Tyler Cohen zu Gast und wurde gefragt, ob Außerirdische existieren. Obama sagte: „Sie sind real, aber ich habe sie noch nie gesehen, und sie werden nicht in Area 51 festgehalten.“
Zur Erklärung: Area 51 ist ein Standort der Air Force in der Wüste von Nevada, der sich mit der Erforschung von außerirdischen Phänomenen beschäftigt.
Später ruderte Obama zurück, schrieb auf Instagram, dass er während seiner Amtszeit keine Hinweise auf Aliens gesichtet habe und dass er lediglich aus statistischer Sicht gesprochen habe, weil die Weite des Universums außerirdisches Leben wahrscheinlich mache. Dennoch regierte Trump und warf Obama vor, geheime Informationen preisgegeben zu haben, nannte Obamas Äußerungen einen großen Fehler. Auf die Frage eines Journalisten, ob er an Aliens glaube, sagte Trump: Ich weiß nicht, ob sie real sind oder nicht.“ Seltsamerweise äußerten sich beide Präsidenten so, als sei die Existenz von Aliens irgendwie gesetzt, aber geheim. Die mediale Aufregung ist nun groß. Noch dazu verkündete die bis dato klassifizierte Informationen über US-Einrichtungen, die die Möglichkeit der Existenz von UFOs und außerirdischem Leben erforschen, freizugeben. Es bleibt spannend.
Über was aus den USA denkst Du sonst noch nach, einfach irgendwas, aus dem Alltag?
Vor ein paar Wochen beim Hautarzt im Wartezimmer – irgendwo in Suburbia bei Buffalo, NY, ganz an der Außenkante des Rustbelt, in der Nähe sind die Niagarafälle – habe ich so einem irren traurigen Dialog zwischen zwei (weißen), einander bis dato unbekannten Männern zugehört. Beide hießen Mike, der eine hatte eine Brille mit gelben Gläsern und sehr dünnem, fast nicht mehr vorhandenem Haar, der andere ein verquollenes Gesicht, beide waren arm, der eine kriegte die ganze Zeit Anrufe von jemandem, dem er erklären musste, dass er „Benefits“, Sozialhilfe kriegt. Beide haben von Trump geschwärmt, dass nun endlich was getan wird gegen die Einwanderung – ein Mike sagte sowas wie: Na, das sind schon nette Leute, die kommen, aber es wäre doch schön, wenn sie einfach nur mal Englisch lernten. Der andere Mike pflichtete ihm bei und antwortete lakonisch, er habe in der Schule Mal begonnen Italienisch zu lernen. Dann sprachen sie von ihrer beider Lieblingsrestaurant und von italienischem Essen wie Chicken Alfredo, dort, wo sie wohnen, irgendwo hier jenseits von Suburbia in einer armen Gegend.
Oben in Buffalo, ein paar Minuten von der kanadischen Grenze entfernt, ist auch eines der fünfundzwanzig ICE-Hauptbüros ICE. Warum war Dir dieser Moment wichtig?
Obwohl Chicken Alfredo – Hühnchen in Sahnesauce auf Nudeln – alles andere als typisch italienisches Essen ist, war es für Mike und Mike der Inbegriff von schönem, teurem Essen. Die Menschen hier können so prekär und so einsam sein, wie man es sich in Zentraleuropa nicht vorstellen kann und will. Und nicht alle, die Trump mögen, sind voller Hass, bei weitem nicht.
Author
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Sarah Pines ist im Sauerland und in Bonn aufgewachsen, hat Literaturwissenschaft in Köln und an der Stanford University studiert und wurde in Düsseldorf mit einer Arbeit über Baudelaire promoviert. Sie schreibt für die Kulturressorts der ›Zeit‹, der ›Welt‹ und der ›NZZ‹. Pines lebt als freie Autorin in New York. 2020 veröffentlichte sie die Kurzgeschichtensammlung ›Damenbart‹; im August 2024 erscheint ihr erster Roman ›Der Drahtzieher‹.
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