Foto: Shutterstock

Jamaika-Bündnis noch nicht abschreiben

Die stellvertretende R21-Leiterin, Kristina Schröder, hält Jamaika für eine Option, sollte die Sondierung für eine Ampel-Koalition nicht erfolgreich sein. Im Interview mit Steingarts Morning Briefing analysiert die ehemalige Bundesfamilienministerin die aktuelle Lage der Union.

Wenn sich die Jamaika-Option stelle, sei Armin Laschet der geeignete CDU-Verhandlungsführer. Nicht nur Integrität und Persönlichkeit, auch die von ihm gebildete erfolgreiche Koalition aus CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen qualifizieren ihn dafür. Kristina Schröder verweist darauf, dass sich in Laschets Regierung am Rhein alle Partner sich ernst genommen fühlen und ihre Projekte umsetzen können. Laschet genieße in der FDP viel Vertrauen und habe gute Beziehungen zu den Grünen.

Wofür steht die CDU?

Schröder fordert die CDU dringend auf, darüber zu diskutieren, was in den letzten Jahren schief gelaufen ist – inhaltlich, programmatisch wie personell. Die Partei sei unverändert regierungsfähig, aber dafür müsse sie geschlossen agieren. Sie muss über Inhalte sprechen und für klare Inhalte stehen.

Der Mangel an Visionen und Ambitionen in der Union habe sich in den letzten 15, 20 Jahren aufgebaut. „Wir haben in der CDU viel zu wenig weltanschaulich Dinge durchdacht und dann eigenständige politische Konzepte entwickelt. Das haben die Leute gespürt,“ sagt Schröder. Wieder eigenständige Positionen entwickeln und Begriffe zu prägen, sei das Allerwichtigste. „Daran krankt der gesamte politische Diskurs, dass die Bürgerlichen darin sehr schwach sind.“

Programmatische Erneuerung auch in Regierungsverantwortung

Für diese Erneuerung in die Opposition zu gehen, hält Schröder nicht für zwingend. Die SPD und auch unionsgeführte Landesregierungen zeigten, dass Regieren und Erneuerung sich vereinbaren lassen. Die programmatische Beliebigkeit der Union habe mit all denen zu tun, die in den letzten 15 Jahren Verantwortung trugen, auch mit der Bundeskanzlerin.

Kristina Schröder sieht nun alle in der CDU gefordert, ein überzeugendes Angebot für die Bürger zu entwickeln. Statt innerparteilicher Konkurrenzen seien jetzt professionelle Betrachtungen in den Vordergrund zu stellen, nicht die persönlichen.

Das Interview bei Steingarts Morning Briefing (Audio ab Min. 4:26) >

Author

  • Kristina Schröder

    Kristina Schröder ist stellvertretende Leiterin der Denkfabrik R21 und arbeitet als selbständige Unternehmensberaterin, Publizistin und Kolumnistin bei der Tageszeitung WELT. Von 2002 bis 2017 war die Christdemokratin Mitglied des Deutschen Bundestages. Neben ihrem Mandat schrieb sie ihre Dissertation bei dem Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter zum Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit. Von 2009 bis 2013 war sie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Danke, emanzipiert sind wir selber. Abschied vom Diktat der Rollenbilder“ lautete der Titel ihrer 2012 erschienenen Streitschrift, in der sie für eine Politik der Wahlfreiheit und des Respekt des Staates gegenüber privaten Lebensentwürfen von Frauen und Familien plädiert. Im September 2021 veröffentlichte Kristina Schröder die Essaysammlung "FreiSinnig. Politische Notizen zur Lage der Zukunft". Schröder engagiert sich ehrenamtlich in der schulischen Elternarbeit und als Botschafterin der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge ansehen

Kristina Schröder

Kristina Schröder ist stellvertretende Leiterin der Denkfabrik R21 und arbeitet als selbständige Unternehmensberaterin, Publizistin und Kolumnistin bei der Tageszeitung WELT. Von 2002 bis 2017 war die Christdemokratin Mitglied des Deutschen Bundestages. Neben ihrem Mandat schrieb sie ihre Dissertation bei dem Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen W. Falter zum Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit. Von 2009 bis 2013 war sie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Danke, emanzipiert sind wir selber. Abschied vom Diktat der Rollenbilder“ lautete der Titel ihrer 2012 erschienenen Streitschrift, in der sie für eine Politik der Wahlfreiheit und des Respekt des Staates gegenüber privaten Lebensentwürfen von Frauen und Familien plädiert. Im September 2021 veröffentlichte Kristina Schröder die Essaysammlung "FreiSinnig. Politische Notizen zur Lage der Zukunft". Schröder engagiert sich ehrenamtlich in der schulischen Elternarbeit und als Botschafterin der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft.

703 Fördermitglieder aktuell
Unser Ziel 1.000
70%
Noch 297 bis zum Ziel!
Jetzt Fördermitglied werden

Neueste Beiträge

Am meisten gelesen

Tags

Denkfabrik R21 Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden

News

Ähnliche Artikel

Deutschland redet über Reformen – bei Rente, Gesundheit, Pflege, Arbeitsmarkt, Steuern und Energie. Doch was derzeit auf dem Tisch liegt,...

Kann Deutschland Energiepolitik neu denken? Deutschland hat sich beim Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt. Gleichzeitig sind Energiepreise, Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit...

Staatsschulden galten lange als Thema für Finanzpolitiker und Ökonomen. Doch bezahlen müssen die heute eingegangenen Verpflichtungen vor allem diejenigen, die...

Eine Studie der Denkfabrik R21 im Auftrag von Heimatwurzeln e.V. zeigt vier Reformen, durch die bis 2045 bis zu 570...

Seit letzter Woche sind in allen Bundesländern die Sommerferien vorüber. Das neue Schuljahr hat begonnen. Die neuen Fünftklässler haben ihre...

Von Stefan Grüttner Deutschland hat kein Erkenntnisproblem. Deutschland hat ein Umsetzungsproblem. Seit Jahrzehnten sind die zentralen Herausforderungen unseres Gesundheitswesens bekannt:...

Ausgerechnet Ricarda Lang. Die Grünen-Politikerin hat ein Manifest für ein neues Männerbild unterzeichnet. Darin geht es um eine Frage, die...

Für Reformen braucht man Ei… Mut! Deutschland braucht Reformen – darin sind sich viele schnell einig. Schwieriger wird es, wenn...