Foto: Denkfabrik R21

Reality Check: der Isolationismus vor dem Aus

Seit dem Angriff Israels auf die iranischen Atomanlagen und dem kurzzeitigen militärischen Einschreiten der USA an der Seite Israels träumt der Linksliberalismus von MAGAs Entzweiung, während MAGA einsehen muss: isolationistisch geht es nicht. Kurz bevor die USA die nuklearen Einrichtungen des Iran mit bombardierten, fragte die Zeitschrift „The Atlantic“ Donald Trump, ob seine – bis dato nur moralische – Unterstützung Israels gegen den Iran nicht seiner isolationistischen “America First” Agenda widerspreche. Trump antwortete ausweichend: Niemand außer ihm habe je diese Agenda verfolgt, also würde er sie auch definieren.

Noch im Juni 2024 veröffentlichte die Washington Post den einsichtigen Artikel „The Myth of MAGA Isolationism“. Dann sollte ein Jahr später alles doch ganz anders sein. Kurz nach dem Militäreinsatz erschienen im Zeitraum vom 18. bis zum 30. Juni zahlreiche Zeitungsartikel, die den Bruch der MAGA-Bewegung vorwegnehmen wollten: MAGA’s Civil War isn’t over (New York Magazine), MAGA is divided over Trump’s decision to bomb Iran. Will it last? (Washington Post), MAGA is split over Israel and Iran (Al Jazeera), Trumps Military Attack on Iran reveals split among MAGA (Guardian), MAGA devotees are split over going to war with Iran (The Economist). Der Tenor: Die Isolationisten – die militärische Einsätze in anderen Ländern ablehnen – innerhalb MAGAs seien derartig empört über das „involvement“ im Iran, dass die gesamte Bewegung sicherlich demnächst kollabieren würde. Die MAGA-Basis wolle keinen Kriegseinsatz, wolle andere Prioritäten verfolgt sehen, und zwar Handel, Staatshaushalt, Kulturkampf und Einwanderung.

Nicht nur deutsche Medien zogen kritiklos mit, betitelten: Trump unter Druck: Iranpolitik spaltet MAGA-Lager (Frankfurter Rundschau), Wie der Irankrieg die MAGA-Bewegung spaltet (Süddeutsche Zeitung), Wenn sich MAGA-Republikaner und Demokraten einig sind (FAZ), Trumps Iran-Angriff: MAGA-Basis zwischen Kult und Verwirrung (BR). Tatsächlich haben sich mit Rand Paul, Steve Bannon, Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene eine knappe Handvoll MAGA-Figuren gegen den Iraneinsatz der USA im Iran ausgesprochen. In einem Podcast prognostizierte Carlson: „A full-scale war with Iran would end, I believe, Trump’s presidency.” Doch der MAGA-Bruch, das Ende von Trumps „Herrschaft“, den liberale Medien zusammen mit Carlson vorherzusehen meinten, war Wunschdenken, herbeigefaseltes Drama, Übertreibung.

Nach gängiger Meinung sind Republikaner in zwei Flügel gespalten: Einen reaganistischen, der sich weiterhin eine Führungsrolle der USA auf der Weltbühne wünscht, wohingegen der populistische MAGA-Flügel an das Bollwerk Amerika glaubt und der globalen Führungsrolle der USA skeptisch gegenübersteht.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Zu diesem Ergebnis kam das Ronald Reagan Institute im traditionellen Summer Survey: MAGA befürwortet inzwischen die Führungsrolle der USA in der internationalen Politik, mehr noch als Altrepublikaner. Die Studie, die kurz vor Beginn der amerikanischen Angriffe auf den Iran veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis: 73 Prozent der MAGA-Wähler wollen die US-Führungsrolle in der Welt, 86 Prozent sprechen sich für eine auch militärische Unterstützung Israels aus, 74 Prozent gegen den Bau der iranischen Atombombe. Insgesamt, so die Studie, schwindet unter den Amerikanern aller politischen Richtungen der Wunsch nach einem isolationistischen, außenpolitischen Ansatz, für diesen sprechen sich nur knapp 23 Prozent aus, im Sommer 2024 waren es noch 33 Prozent. „Americans of all political stripes”, so die Studie, “want our country to stand up to the tyrants in Moscow, Tehran, and Beijing as well as the terrorists in the Middle East”.

Inzwischen bestätigte auch eine Umfrage des Senders NBC: Den wenigen „high profile dissenters on Iran within the MAGA movement“ zum Trotz unterstützen 78 Prozent aller republikanischen Wähler und 84 Prozent von MAGA den Militärschlag. MAGA stünde fest an der Seite des Präsidenten.

Der Isolationismus spielt in den USA höchstens noch eine untergeordnete Rolle, für Trump-Wähler ist er nahezu irrelevant geworden, die weltpolitische Realität hat MAGA eingeholt. Kurz nach dem Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran legte die Demokratische Partei dem Kongress die „war powers resolution“ zur Abstimmung vor. Nach dieser soll der Präsident nicht länger ohne Zustimmung des Kongresses in internationale Konflikte eingreifen können. Die Resolution wurde abgelehnt.

703 Fördermitglieder aktuell
Unser Ziel 1.000
70%
Noch 297 bis zum Ziel!
Jetzt Fördermitglied werden

Neueste Beiträge

Am meisten gelesen

Tags

Denkfabrik R21 Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden

News

Ähnliche Artikel

New York, «Lady» aus Hochhäusern, im Dezember kalt und blätterlos, aber voller Winterlichter. Aus U-Bahnschächten kommt Dampf; im Hudson schwimmen...

„Bürgerliche sind über Jahre hinweg vor linken Aktivisten eingeknickt“, sagt Andreas Rödder in der neuen Folge des Podcasts „Frei heraus“....

Das Jahresende ist immer auch eine Zeit der Rückschau. Wenn wir nicht nur auf dieses Jahr, sondern auch auf die...

Der Text erschien erstmals am 12. Dezember 2025 bei Geopolitical Intelligence Services. The Federal Republic of Germany has experienced several...

Was ist Präsident Milei denn nun: Retter oder Insolvenzverwalter? Anarcho, Populist oder klassisch-liberaler Reformer? Räumt er mit der Casta auf...

Bei dem von Barbara Zehnpfennig stammenden Text handelt es sich um die schriftliche Fassung eines am 9.10.25 als RHI-Lecture (Roman...

„Die deutsche Klimapolitik vernichtet unseren Wohlstand, ohne die globalen Emissionen zu reduzieren“ – das sagt Joachim Weimann in der neuen...

Liebe Sarah, in den USA wird, wie in Deutschland, über legale und illegale Migration debattiert, ein Urteil des Supreme Court...

Auf der R21-Konferenz am 11. November in Berlin sprach Norbert F. Tofall über den Liberalismus und seine Feinde. Liberalismus sei...