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Erbschaftsteuer – Perspektiven entstehen nicht durch Steuern, sondern durch Wachstum

Der Gastbeitrag erschien am 25. Januar 2026 im Handelsblatt und ist hier abrufbar.

Perspektiven entstehen nicht durch Steuern, sondern durch Wachstum. Sie sei es satt, die Umverteilungsfantasien von Politikern ausbaden zu müssen, schreibt Coroplast-Chefin und R21-Mitgründerin Natalie Mekelburger in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Die SPD unternimmt einen neuen Vorstoß zur Verschärfung der Erbschaftsteuer – erneut im Namen der „Gerechtigkeit“. Tatsächlich stört sie weniger die inkonsistente Behandlung unterschiedlicher Vermögensarten als die Existenz von Erben an sich. Wer Vermögen vererbt, gilt bei Sozialdemokraten offenbar schon als Teil des Problems.

Dabei wird regelmäßig übersehen, dass vererbtes Vermögen in Deutschland in aller Regel bereits mehrfach besteuert wurde. Vor allem im Mittelstand ist es Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit, hoher persönlicher Risiken – und eines Sozialstaates, den Unternehmer und Arbeitnehmer gemeinsam finanzieren.

In den USA – die gerne als Beispiel für ein Land mit Erbschaftsteuern hervorgehoben werden – ist das anders. Dort greift zwar bei sehr hohen Vermögen eine Erbschaftsteuer, Unternehmer sind aber nicht verpflichtet, in vergleichbarem Umfang für Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung aufzukommen.

Auch die Kapitalmärkte sind nicht vergleichbar: Enorme Summen fließen in Start-ups und Tech-Giganten, Vermögen entsteht schneller und konzentrierter. Das hat viele Vorteile, aber auch einen entscheidenden Nachteil. Die USA haben ihre Industriekultur verloren und nun einen Präsidenten, der zur Kompensation brachiale Industrie- und Zollpolitik betreibt.

Die Erbschaftsteuer würde nichts korrigieren, aber viel zerstören

Deutschland hingegen hat sich bewusst für ein anderes Modell entschieden: breite industrielle Wertschöpfung, starke Arbeitnehmerrechte und einen großen Sozialstaat, getragen von familiengeführten Unternehmen.

Gerade diese Struktur macht Deutschland einzigartig. In keinem anderen Land sind Industriearbeitsplätze so gleichmäßig über die Fläche verteilt. Sie sind nicht das Ergebnis staatlicher Industriepolitik, sondern langfristig denkender Eigentümerfamilien. Länder wie Frankreich oder Großbritannien haben mit einer aggressiveren Besteuerung von Erbschaften bereits weite Flächen deindustrialisiert.

Die von der SPD vorgeschlagene Erbschaftsteuer würde in Deutschland nichts korrigieren, aber viel zerstören. Sie besteuert Substanz statt Ertrag, Maschinen statt Einkommen, Zukunft statt Konsum. Statt der Familienunternehmen würde dann der Staat über die Verwendung der Mittel entscheiden. Im Ergebnis würde noch weniger in die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft investiert, dafür noch mehr von unserem Sozialstaat konsumiert. Was ist daran gerecht?

Die Gerechtigkeit der Erbschaftsteuer endet spätestens im konkreten Einzelfall. Bewertungsverfahren sind häufig realitätsfern, Liquidität wird unterstellt, wo keine ist. Für Nachfolger bedeutet das oft: Schulden beim Staat oder der Verkauf des Unternehmens. Schon Steuersätze von zehn Prozent können existenzbedrohend sein. Da helfen auch verlängerte Stundungsregeln wenig.

Vermeintliche Gerechtigkeit führt zur Zerschlagung von Firmen

Das Signal an die nächste Generation wäre fatal: Übernehmt Verantwortung – aber bitte mit einem Schuldenberg im Gepäck. Wer rational denkt, entscheidet sich dann gegen die Weiterführung, gegen Investitionen, gegen Standorttreue. Verkauft wird an chinesische Konzerne oder arabische Finanzinvestoren. Was als „Gerechtigkeit“ verkauft wird, endet in der Zerschlagung funktionierender Strukturen.

Arbeitnehmer in mittelständischen Betrieben haben dafür ein feines Gespür. Sie wissen die Bodenständigkeit ihrer Unternehmen zu schätzen und zahlen es millionenfach mit Leistung, Loyalität und Innovationsbereitschaft zurück. Die stillschweigende Allianz zwischen Mittelstand und Belegschaften ist eines der Erfolgsgeheimnisse der deutschen Wirtschaft. Wer sie leichtfertig aufs Spiel setzt, handelt nicht sozial, sondern fahrlässig.

Der Zeitpunkt des Vorstoßes spricht Bände: Noch bevor das Bundesverfassungsgericht entscheidet, nach historischer Neuverschuldung – und mitten in einer Phase wirtschaftlicher Schwäche. Ungleichheit ist derzeit nicht das zentrale Problem Deutschlands. Inflation, Investitionsschwäche und Perspektivlosigkeit sind es.

Der wahre Kern der Debatte ist ein anderer: Der überzeugte Sozialist mag einfach keinen Privatbesitz an Produktionsmitteln. Lieber nimmt er Armut für alle in Kauf (bis auf die Polit-Elite, die sich in sozialistischen Systemen immer ein gutes Leben einrichtet).

Ich persönlich bin es satt, die Eitelkeiten von Politikern zu befriedigen und ihre Umverteilungsfantasien ausbaden zu müssen. Wer es ernst meint mit Arbeitsplätzen und Aufstiegschancen, sollte den Mittelstand entlasten, statt ihn zu schröpfen. Gerechtigkeit und Perspektiven für die nächsten Generationen entstehen nicht durch Substanzbesteuerung, sondern durch Wachstum, Investitionen und funktionierende Unternehmen.

Author

  • Natalie Mekelburger

    Natalie Mekelburger führt seit 2006 das unabhängige, global agierende Familienunternehmen Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG in der dritten Generation. Als meinungsstarke Unternehmerin macht sie sich für die liberale Marktwirtschaft und eine bürgerliche Gesellschaft stark. In der Öffentlichkeit bezieht sie regelmäßig Stellung zu Fragen wie dem Klimawandel, der Mobilitätswende, der Steuer- und Geldpolitik – immer auch mit dem Blick auf den Mittelstand und seine Rolle für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Erst unlängst präsentierte sie ihre teils warnende, teils motivierende Vision für das Jahr 2030 im Spiegel-Bestseller „Zukunftsrepublik Deutschland“. Ihren Beitrag zum gesellschaftlich-politischen Diskurs leistet sie auch als Mitglied des Senats der Fraunhofer Gesellschaft, im Vorstand des VDA als Vertreterin der Automobilzulieferer sowie in verschiedenen regionalen Wirtschaftsverbänden. Für ihren unternehmerischen Erfolg wurde ihr 2017 der Titel „Entrepreneur of the Year“ von der Unternehmensberatung EY verliehen.

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Natalie Mekelburger

Natalie Mekelburger führt seit 2006 das unabhängige, global agierende Familienunternehmen Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG in der dritten Generation. Als meinungsstarke Unternehmerin macht sie sich für die liberale Marktwirtschaft und eine bürgerliche Gesellschaft stark. In der Öffentlichkeit bezieht sie regelmäßig Stellung zu Fragen wie dem Klimawandel, der Mobilitätswende, der Steuer- und Geldpolitik – immer auch mit dem Blick auf den Mittelstand und seine Rolle für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Erst unlängst präsentierte sie ihre teils warnende, teils motivierende Vision für das Jahr 2030 im Spiegel-Bestseller „Zukunftsrepublik Deutschland“. Ihren Beitrag zum gesellschaftlich-politischen Diskurs leistet sie auch als Mitglied des Senats der Fraunhofer Gesellschaft, im Vorstand des VDA als Vertreterin der Automobilzulieferer sowie in verschiedenen regionalen Wirtschaftsverbänden. Für ihren unternehmerischen Erfolg wurde ihr 2017 der Titel „Entrepreneur of the Year“ von der Unternehmensberatung EY verliehen.

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