Eine Studie der Denkfabrik R21 im Auftrag von Heimatwurzeln e.V. zeigt vier Reformen, durch die bis 2045 bis zu 570 Milliarden Euro bei der Energiewende gespart werden können. Wenn der europäische Emissionshandel unverändert bestehen bleibt, ist dies möglich, ohne dabei CO2-Minderungsziele aufzuweichen. Allerdings drängt die Zeit, das Fenster für die Anpassungen schließt sich bereits 2028.
Bonn/Berlin – Deutschland kann seine Klimaziele deutlich günstiger erreichen. Nach Berechnungen im Rahmen einer von Heimatwurzeln e.V. beauftragten Studie lassen sich bis zum Jahr 2045 bis zu 570 Milliarden Euro für öffentliche Haushalte, Stromkunden und Steuerzahler einsparen, ohne die europäischen CO2-Minderungsziele abzuschwächen. Voraussetzung ist, dass der europäische Emissionshandel mit Emissionsobergrenze und freier Preisbildung nicht politisch aufgeweicht wird. Einsparpotenziale sehen die Autoren vor allem dort, wo staatliche Detailsteuerung Marktmechanismen überlagert. Statt Ausbauzielen für einzelne Technologien und kleinteiliger Förderung soll der CO2-Ausstoß stärker zur entscheidenden Steuerungsgröße werden. Die Studie nennt vier Reformpfade: das Auslaufen der Subventionen nach dem EEG für neue Anlagen, dynamische und regional differenzierte Netzentgelte, eine ergebnisorientiertere Regulierung der Netzbetreiber und eine Neuordnung des Klima- und Transformationsfonds.
Allein das Auslaufen der Betriebskostenförderung für neue EEG-Anlagen bietet bis zu 210 Mrd. Euro Einsparpotential bis 2045. Neue Anlagen sollen ihre Erlöse künftig über den Strommarkt, langfristige Lieferverträge oder Eigenverbrauch erzielen. Investitionen sollen so stärker dorthin gelenkt werden, wo Strom gebraucht wird. Weitere bis zu 260 Mrd. Euro könnten bei Netzinvestitionen und Netzbetrieb eingespart werden, unter anderem durch dynamische, regional differenzierte Netzentgelte und eine stärker ergebnisorientierte Regulierung der Netzbetreiber. Beim Klima- und Transformationsfonds sieht die Studie zusätzlich 100 Mrd. Euro Potenzial.
Nach Berechnungen der Studie entstehen mit der aktuellen deutschen Energiepolitik durch EEG-Förderung, Netzbetrieb, Netzinvestitionen und den Klima- und Transformationsfonds Kosten von mehr als 100 Milliarden Euro jährlich. Die vorgeschlagenen Reformen sollen nicht Investitionen bremsen, sondern Fehlanreize und ineffiziente Strukturen abbauen sowie Kapital dorthin lenken, wo es für das Energiesystem den größten Nutzen entfaltet.
Die Autoren sehen für zentrale Änderungen nur ein begrenztes politisches Zeitfenster. Mit der anstehenden EEG-Novelle 2027 und der bis Ende 2028 fälligen Überarbeitung der Stromnetzentgeltverordnung bestehen zwei konkrete gesetzgeberische Anlässe. Werden diese nicht für einen marktwirtschaftlichen Umbau genutzt, könnten sich zentrale Reformen um Jahre verzögern.
Die Studie „Reformen für eine marktwirtschaftliche Energieordnung – Wie Anreize, Pragmatismus und Wettbewerb dafür sorgen, dass Strom aus Erneuerbaren Energien und Netze dort entstehen, wo sie gebraucht werden“ wurde von Marvin Randig und Dr. Niclas Wenz verfasst, von REPUBLIK21 e.V. koordiniert und im Auftrag von Heimatwurzeln e.V. erstellt. Sie wurde im September 2026 veröffentlicht.
Über Heimatwurzeln e. V.
Heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem bürgerlichen Spektrum will der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft fördern.
Über REPUBLIK21 e.V.
Die Denkfabrik R21 steht für eine marktwirtschaftliche, technologieoffene und international koordinierte Energiepolitik, in der die drei Elemente – Markt, Technologieoffenheit und internationale Koordination – zu Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit beitragen.





