Deutschland redet über Reformen – bei Rente, Gesundheit, Pflege, Arbeitsmarkt, Steuern und Energie. Doch was derzeit auf dem Tisch liegt, reicht womöglich nicht aus, um die strukturellen Probleme zu lösen. Gleichzeitig stößt schon das auf erheblichen Widerstand. Warum ist das so? Darüber spricht Steffen Dähne mit Holger Zschäpitz, Volkswirt, leitendem Wirtschaftsredakteur der WELT und bekannt aus dem Podcast „Deffner & Zschäpitz“.
Zschäpitz diagnostiziert eine „Gerechtigkeitslücke“ in der deutschen Reformdebatte: Viele Menschen seien durchaus bereit, Veränderungen und Zumutungen mitzutragen – aber nicht, wenn sie den Eindruck haben, dass immer dieselben belastet werden und grundlegende Probleme unangetastet bleiben. Statt Jahr für Jahr neue Finanzlöcher zu stopfen, brauche Deutschland einen größeren Wurf und ein überzeugendes Zielbild.
Im Gespräch geht es um eine längere Lebensarbeitszeit und die Zukunft der Rente, um Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Kapitaldeckung in der Pflege und einen flexibleren Arbeitsmarkt. Zschäpitz stellt dabei auch den deutschen Kündigungsschutz infrage. Außerdem diskutieren beide über Bürgergeld und Sozialstaat, niedrigere Unternehmenssteuern, Kernkraft und Fracking, das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen und die Frage, wie Deutschland wieder attraktiver für Investitionen werden kann.
Am Ende steht die größere Frage: Ist Deutschland überhaupt noch zu einem solchen Reformprojekt fähig? Zschäpitz ist pessimistisch. Steffen Dähne hält dagegen: Die Menschen seien durchaus für Veränderungen zu gewinnen – wenn Politik ihnen einen glaubwürdigen gemeinsamen Aufbruch anbietet. Und vielleicht bietet gerade Künstliche Intelligenz die Chance, verlorenen Boden schneller wieder gutzumachen. Eine Folge über Reformmut, Gerechtigkeit, Wachstum – und die Frage, ob Deutschland noch den großen Wurf schafft.
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