Am 10. September war der Historiker und R21-Vorsitzende Andreas Rödder bei Markus Lanz zu Gast. Im Mittelpunkt stand u.a. die Frage, wie die demokratischen Parteien mit dem wachsenden Erfolg der AfD umgehen sollten – und was die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für die politische Mitte bedeuten. Rödder stellte dabei eine unbequeme, aber zentrale Frage: Hat die Strategie der Brandmauer tatsächlich das erreicht, was sie erreichen sollte?
Seine Antwort fällt kritisch aus. Je stärker die AfD wurde, desto höher wurde die Brandmauer. Je höher die Brandmauer, desto stärker kann sie sich als vermeintlich einzig relevante Opposition inszenieren. Und je stärker sie diese Rolle besetzt, desto mehr Wähler erreicht sie. Ein politisches Perpetuum mobile der Polarisierung.
Der R21-Chef plädiert deshalb für einen anderen Ansatz: klare rote Linien in der Sache statt pauschale Brandmauern. Das bedeutet weder, politische Positionen der AfD zu übernehmen, noch ihre Radikalisierung zu verharmlosen. Es bedeutet vielmehr, wieder stärker zwischen dem zu unterscheiden, was politisch verhandelbar ist – und dem, was eine klare Grenze überschreitet. Denn Demokratie lebt nicht von der Vermeidung politischer Auseinandersetzung, sondern vom Wettbewerb um politische Mehrheiten.
Die Sendung vom 10. September finden Sie hier.
Author
-
Alle Beiträge ansehenAndreas Rödder ist Leiter der Denkfabrik R21 und Professor für Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er war Fellow am Historischen Kolleg in München sowie Gastprofessor an der Brandeis University bei Boston, Mass., und an der London School of Economics. Rödder hat sechs Monographien publiziert, darunter „21.0. Eine kurze Geschichte der Gegenwart“ (2015) und „Wer hat Angst vor Deutschland? Geschichte eines europäischen Problems“ (2018), sowie die politische Streitschrift „Konservativ 21.0. Eine Agenda für Deutschland“ (2019). Andreas Rödder nimmt als Talkshowgast, Interviewpartner und Autor regelmäßig in nationalen und internationalen Medien zu gesellschaftlichen und politischen Fragen Stellung; er ist Mitglied im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident der Stresemann-Gesellschaft.





